[S05E08] Resignation (#52)
Staffel 05

 
 
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Worum geht’s in der heutigen Folge?

In der 5. Staffel von [Projekt: Leben] spreche ich ja um die „Feinde“ unserer Personal Projects, und der Feind, den ich mir in dieser Folge vornehme, ist die Resignation.
Und so möchte ich mir auch in dieser Folge wieder ansehen…

  1. Was ist eigentlich Resignation in Hinblick auf unsere Personal Projects und was ist das Problem damit?
  2. Wie wirkt sich Resignation  auf unsere Personal Projects aus?
  3. Was können wir tun, um Resignation in unseren Personal Projects zu vermeiden?

Was ist eigentlich Resignation in Hinblick auf unsere Personal Projects und was ist das Problem damit?

Also die Resignation in unseren Personal Projects… Bevor ich darüber sprechen kann, möchte ich ein bisschen ausholen. Die Resignation hat nämlich eine Vorstufe, und die nennt sich: Überforderung.
Überforderung in unseren Personal Projects ist, glaube ich, eher die Regel als die Ausnahme. Wir sind in vielfältiger Weise mit unseren Personal Projects und ganz besonders mit unseren Herzensprojekten überfordert. Nehmen wir Projekte wie „Eine Ehe führen“ oder „Eine erfolgreiche berufliche Karriere haben“ oder „Mir nicht immer alles so zu Herzen nehmen“. Das sind anspruchsvolle Projekte, und ich denke, es ist ganz gut nachvollziehbar, dass wir mit diesen Projekten auch ab und zu mal überfordert sind.

Aber werfen wir da mal einen genaueren Blick drauf, auf die Überforderung. Wo kommt die Überforderung in unseren Personal Projects eigentlich her?

  • Naja, zuerst mal, und das habe ich eh schon angedeutet: Überforderung liegt quasi in der Natur von Personal Projects. Sie ist part of the game, sozusagen. Wenn man in der Managementliteratur nachliest, wie eigentlich Projekte definiert sind, dann findet man da meist folgendes Merkmal von Projekten: Etwas ist dann ein Projekt, wenn es neuartig ist. Das heißt auch für unsere Personal Projects, dass Personal Projects von ihrem Wesen her einzigartige, neuartige Dinge sind, die wir zum ersten Mal machen, wo wir noch überhaupt keine Erfahrung damit haben. Nehmen wir diesen Podcast als Beispiel: Ja, manchmal bin ich mit dem Podcast auch überfordert. Manchmal ist es echt schwer, die Zeit zu finden, eine neue Episode zu konzipieren und dann aufzunehmen. Manchmal ist es gar nicht so einfach, meine Gedanken in eine schlüssige Form zu bringen, wo ich das Gefühl habe, meine Hörerinnen und Hörer können das auch nachvollziehen. Und auch wenn ich jetzt nach mehr als 50 Folgen schon etwas Routine habe, ist doch jede einzelne Folge eine neue Herausforderung. Aber das ist ganz klar. Diese Art von Überforderung ist ganz normal und, wenn es im Rahmen bleibt, auch gut. Denn diese leichte Überforderung macht die Arbeit ja auch spannend, und umso größer ist die Freude und der Stolz, wenn wieder eine weitere Folge sozusagen im Kasten ist.
  • Manchmal kommt die Überforderung aus unserer Umwelt. Manchmal kommen Personal Projects auf uns zu, die wir uns nicht ausgesucht haben und die uns jemand auf’s Auge drückt. Wenn dir deine Partnerin plötzlich eröffnet, dass sie sich von dir trennen will… Naja, das kann dich schon mal überfordern, länger oder kürzer, je nachdem. Also solche Personal Projects, die wir uns nicht ausgesucht haben und die uns in ihrer Heftigkeit vor scheinbar unüberwindbare Herausforderungen stellt, solche Projekte gibt es.
  • Aber ich glaube, solche Projekte sind eher die Ausnahme, was die Überforderung betrifft. Meistens kommt die Überforderung nämlich aus uns selbst heraus. Wir überfordern uns selber auf vielfältige Art und Weise. Wir überfordern uns zB mit der Anzahl von Personal Projects, die wir gleichzeitig schaffen wollen. Wir überfordern uns mit den Erfolgskriterien, die wir an unsere Personal Projects anlegen. Und wir überfordern uns, und da müssen wir uns auch mal ehrlich sein, weil wir uns nicht immer wie erwachsene Menschen verhalten und auch in unseren Personal Projects einfach dumme Dinge tun. So ehrlich müssen wir auch sein.

Also, das waren mal ein paar Gedanken zur Überforderung in unseren Personal Projects. Wie gesagt, Überforderung, das ist aus meiner Sicht ganz normal. Das ist im Paket unserer Personal Projects dabei. Das kommt immer wieder vor, das werden wir auch nicht vermeiden können und darüber brauchen wir uns keinen großen Kopf machen.So ist einfach das Leben. Im Prinzip ist wohl jeder von uns mit dem Leben an sich überfordert, und wir tun halt, so gut wir können.

Aber Resignation… das ist etwas anderes. Resignation spielt auf einer ganz anderen Ebene als die Überforderung. Resignation ist tatsächlich ein Feind unserer Personal Projects. 

Wenn wir bei einem Personal Project resignieren, dann hören wir auf, das zu tun, was eigentlich notwendig wäre. Wir geben einfach auf. Aus, Ende. Wir stecken den Kopf in den Sand und hören auf, die notwendigen nächsten Schritte im Projekt zu tun. In den meisten Fällen bedeutet das: Wir treffen einfach keine Entscheidungen mehr, weil wir das Gefühl haben: Ist eh schon wurscht, ist eh alles für die Fische. Es ist völlig egal, was ich als nächstes tue, es wird keinen Unterschied machen.
Und dieser Zustand der Resignation ist, glaube ich ohne Übertreibung sagen zu können, ein Todfeind unserer Personal Projects. 
Warum?

Wie wirkt sich Resignation auf unsere Personal Projects aus?

Resignation bedeutet, dass wir ein Personal Project einfach aufgeben – aber nicht, weil wir es schon abgeschlossen hätten oder aus der bewussten Entscheidung, das Projekt fallen zu lassen. Sondern einfach, weil wir uns damit nicht mehr beschäftigen mögen. Wir kapitulieren und treffen gar keine Entscheidungen mehr. Hauptsache, wir haben unsere Ruhe. 
Resignation kann viele Erscheinungsformen haben. Nicht jede Form von Resignation ist so offensichtlich. Ich gebe euch mal ein paar Beispiele für Formen der Resignation.

  • Da wäre als erstes mal die Prokratstination, d.h. wir schieben das, was wir eigentlich zu tun hätten, bis zum St. Nimmerleinstag hinaus. Der Anruf beim Kunden, den wir schon seit zwei Wochen auf der To Do Liste haben? Warum ist der noch nicht erfolgt? Schaut so aus, als hätten wir in diesem Projekt – aus welchem Grund auch immer – resigniert.
  • Dann wäre da das Phänomen, dass wir eine Entscheidung zu treffen haben, aber wir verlieren uns in einer endlosen Informationsrecherche. Wir rechtfertigen das damit, dass wir natürlich alle Informationen und Optionen kennen müssen, um die richtige Entscheidung zu treffen. Und wir wirken ja auch sehr engagiert in dem Projekt, weil wir auch wirklich viel Zeit investieren. Aber wenn wir bei der Recherche zu keinem Ende und dadurch zu keiner Entscheidung kommen, dann ist das auch nichts anderes als eine sehr beschäftigte Form der Resignation.
  • Dann wäre da natürlich das Grübeln, das Gedankenkreisen. Wenn wir in endlosen Reflexionsschleifen gefangen sind und dadurch zu keiner Entscheidung fähig sind, dann ist das auch nichts anderes als Resignation.
  • Oder diese beliebte Form der Resignation: Wir überlassen wichtige Entscheidungen einfach jemand anderem – und geben damit auch die Verantwortung ab. Oder wir überlassen die Entscheidung überhaupt dem Zufall oder dem Schicksal oder dem Horoskop. Das sind alles Formen der Resignation, weil wir die Verantwortung in unseren Personal Projects nicht mehr wahr nehmen. Noch schlimmer natürlich, wenn das unsere Herzensprojekte betrifft.
  • Und letztes Beispiel, ebenfalls sehr beliebt: Wir wählen kontinuierlich die Option, die uns kurzfristig weniger Schmerzen macht. Wir wollen uns kurzfristig nicht anstrengen müssen und tun das, was uns jetzt im Moment an leichtesten fällt. Und dabei ignorieren wir, was diese kurzfristige Ersparnis an Anstrengung und Schmerz vielleicht langfristig für nachteilige Auswirkungen hat. Wir wissen, wir sollten mit unserem Partner über eine wichtige Sache reden, aber wir entscheiden uns, das heute Abend lieber doch nicht zu tun. War eh so ein anstrengender Tag. Aber genau mit dieser kurzfristigen und kurzsichtigen Entscheidung machen wir die Sache in Wirklichkeit für uns nur noch schwerer, und es wird uns noch schwerer fallen, aus dieser Resignation wieder raus zu kommen.

Und damit sind wir eh schon beim letzten Punkt des Podcasts: Was können wir gegen Resignation in unseren Personal Projects tun?

Was können wir tun, um Resignation in unseren Personal Projects zu vermeiden?

Vorher noch ein Hinweis, weil’s mir wichtig ist: Ich meine, es is eh klar, aber rede hier nicht über Resignation, die die Folge ist von Depressionen oder anderen Krankheiten. Das ist eine ganz andere Liga, und da sind ganz andere Lösungswege angesagt. Wovon ih hier rede, ist eine „ganz normale” Resignation in unseren Personal Projects, einfach weil wir eben manchmal überfordert sind mit unseren Personal Projects. Und wenn das der Fall ist, dann schlage ich vor, dass wir in zwei Schritten vorgehen.

1. Schritt: Die Lösung beginnt natürlich da, wo die Wurzel des Problems ist. Resignation entsteht, wenn wir  die Verantwortung für unsere Personal Projects nicht mehr übernehmen. Und dagegen hilft nur eines: Den Kopf aus dem Sand ziehen und sich endlich wieder wie ein Erwachsener benehmen. Die Verantwortung wieder annehmen und dem Projekt ins Auge sehen. Hinsehen und annehmen, was ist. Aufhören, wie ein naives Kind auf ein Wunder zu hoffen und stattdessen anerkennen, dass sich da nix von selbst lösen wird – im Gegenteil, es wird nur umso schlimmer, je länger wir uns unserer Verantwortung für unsere Personal Projects verweigern. Ich meine, Personal Projects heißen ja nicht umsonst PERSONAL Projects. Die kann und wird niemand für uns lösen – und wenn, dann sicher nicht zu unserem Besten. Also, erster Schritt: Kopf aus dem Sand, sich wie ein Erwachsener benehmen und wieder die Verantwortung übernehmen. 

2. Schritt: Die Verantwortung wieder zu übernehmen, ist die wichtige Voraussetzung, aber davon wird das Problem mit dem Projekt ja noch nicht gelöst. Es hat ja einen Grund, warum es überhaupt zur Resignation gekommen ist. Das heißt, diese Projekte sind meistens ziemlich verfahren, da ist gewaltig der Wurm drinnen. Da wieder raus zu kommen, das ist gar nicht so leicht. Ud die Gefahr, dass wir beim nächsten Gegenwind wieder resignieren, ist groß. Das muss uns bewusst sein, und deshalb müssen wir vorsichtig und geduldig vorgehen. Das Motto ist jetzt: Baby Steps! Also ganz kleine Schritte – und zwar so klein, dass sie uns nicht gleich wieder überfordern. Und das können wirklich winzige Schritte sein. Wir müssen nämlich erst wieder Vertrauen in uns und unsere Problemlösungs-fähigkeiten gewinnen. Eine Methode, die sich da bewährt hat, ist es, mit sich selbst zu verhandeln. 

Nehmen wir wieder meinen Podcast als Beispiel. Die nächste Folge sollte am Dienstag ausgestrahlt werden, und es ist Freitag und ich habe noch nicht mehr als den Titel der Episode. Die Versuchung wäre groß zu sagen: Naja, es hat keinen Sinn, da jetzt mit Gewalt was zu erzwingen. Ruh dich an Wochenende aus, und am Montag schaut die Sache sicher besser aus. Da geht es dann sicher leichter. Klarer Fall von Resignation, weil ich geflissentlich ignoriere, dass mein Producer Hupo ja auch noch etwas Zeit braucht, um den Podcast fertig zu machen. Aber ich wähle eben die einfachere Option jetzt und ignoriere, dass ich mir damit viele Probleme in der Zukunft aufhalse- typisch Resignation eben. 

Aber was könnten jetzt Baby Steps sein, um mich aus der Resignationsfalle raus zu holen? Naja, ich kann eben mit mir in Verhandlung treten und sagen: Okay, Günter, folgender Vorschlag: Kannst du in Evernote eine neue Notiz aufmachen, wo du dann den Inhalt des Podcasts reinschreiben wirst? Und ich werde vielleicht sagen: Naja, so eine Notiz zu erstellen, das dauert vielleicht drei Sekunden, das kann ich, okay, das mache ich. Und dann kann ich mit mir weiter verhandeln und sagen: Wie sieht es aus, kannst du vielleicht den Text für das Intro und das Outro reinkopieren? Und wieder werde ich vielleicht sagen: Okay, das ist leicht, das mache ich. Und dann geht es weiter und ich kann sagen: Günter, kannst du dir vorstellen, nur 5 Minuten deine Ideen zusammenzuschreiben? Nur 5 Minuten, dann darfst du wieder aufhören. Und ich sage vielleicht: Okay, 5 Minuten, das ist überschaubar, das mache ich. 

Und mit etwas Glück reicht das als Antrieb. Mit etwas Glück denke ich mir nach 5 Minuten: Das war gar nicht so schlimm, ich hänge nochmals fünf Minuten dran. Und dann vielleicht nochmal fünf Minuten. Und vielleicht hat sich auf diese Weise der Podcast dann mit Baby Steps auch schon erstellt. Vielleicht aber auch nicht und ich muss nach 5 Minuten aufhören. Dann kann ich vielleicht mit mir vereinbaren, dass ich 10 Minuten Pause mache und dann nochmals 5 Minuten versuche. Und so weiter, ich denke, das Prinzip ist klar. Am wichtigsten ist jedenfalls, dass wir unsere Baby Steps nur so weit treiben, dass wir uns gerade noch nicht überfordern und wir genau VOR dem Moment aufhören, wo wir uns denken: Ach, was soll’s, das wird eh alles nix mehr!

Was also, zusammengefasst, aus meiner Sicht gegen die Resigantion hilft, ist

  1. Verantwortung übernehmen und sich wie ein Erwachsener benehmen
  2. Sich mit Baby Steps aus dem Schlamassel rausarbeiten.

Einfach, aber nicht leicht. Aber ich denke, unsere Personal Projects und vor allem unsere Herzensprojekte sind es wert, uns mit aller Kraft, die wir aufbringen können, gegen die Resignation zu wehren.

Und zum Abschluss noch ein Buchtipp zum Thema: Das Buch „Mythos Überforderung” von Michael Winterhoff kann ich zu diesem Thema sehr empfehlen.


Hör dir den Podcast gleich hier an!