S07E06: Meaning Manageability Trade-off (#72)
Staffel 07

 
 
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Worum geht’s in dieser Folge?

Ich bin ja dabei, das Buch „Personal Projects Pursuit“ von Brian Little zu studieren, und in dieser Folge möchte ich über ein Phänomen bei unseren Personal Projects sprechen, das Brian Little auf Seite 74 des Buches beschreibt – nämlich den Meaning Manageability Trade-off.

Was das genau ist, warum er uns immer wieder beschäftigt und wie wir mit dem Meaning Manageability Trade-off umgehen können, davon handelt diese Folge.

Was ist der Meaning Manageability Trade-off?

Okay, was ist jetzt genau der Meaning Manageability Trade-off?
Naja, dazu müssen wir zuerst mal drüber sprechen, was mit „meaning“ und was mit „manageability“ im Zusammenhang mit Personal Projects gemeint ist.


Was bedeutet „meaning“?
Schauen wir uns mal den Begriff „meaning“ an. Bei „meaning“ geht es um den Sinn, den wir mit einem Personal Project verbinden. Jeder von uns hat ein intuitives Gefühl dafür, wie sinn-voll, wie erfüllend ein bestimmtes Personal Project für ihn ist. Ein Projekt, wo ich persönlich sagen würde, da steckt ganz viel „meaning“ drin, wäre zum Beispiel mein Personal Project „Papa sein“. „Papa sein“, das ist ein core project, ein Herzensprojekt von mir, und in der Regel ist es so, dass unsere Herzensprojekte jene Projekte sind, die für uns viel „meaning“ haben.

Und im Gegensatz dazu wird es Projekte in unserem Leben geben, wo wir sagen: „Naja, dieses Projekt mache ich zwar, aber Sinn? Sinn hat das nicht wirklich für mich. Oder nicht sehr viel.“ Das könnte z.B. ein Projekt sein wie „Jeden Sonntag den Papiermüll zur Müllinsel bringen“. Das ist ein Projekt von mir, wo ich sage: „Ich sehe zwar ein, dass das erledigt gehört, aber zu dem, was mir Sinn gibt in meinem Leben, trägt das nicht wirklich was bei.“
Okay, ich hoffe, es ist für dich jetzt verständlich, was mit „meaning“ im Zusammenhang mit Personal Projects gemeint ist. Schauen wir uns jetzt den zweiten Begriff genauer an, nämlich „manageability“.

Was bedeutet „manageability“?
„Manageability“, damit ist gemeint, wie schwer oder wie leicht wir uns tun, ein bestimmtes Personal Projects zu managen. Das heißt, wie schwer oder wie leicht ist es, ein bestimmtes Personal Project im Alltag umzusetzen. Wie schwer oder wie leicht fällt es uns, für ein bestimmtes Personal Project tatsächlich auch ganz konkrete nächste Schritte zu finden, zu sagen, was als nächstes zu tun ist und so weiter.

Bleiben wir wieder bei den beiden Beispielen meiner Personal Projects. Da haben wir einerseits das Personal Project „Papa sein“, und dann ist da das Personal Project „Jeden Sonntag den Papiermüll zur Müllinsel bringen“. Welches davon, glaubst du, hat für mich die größere „manageability“? 
Ist wahrscheinlich leicht zu erraten: Es ist das Papiermüll-Projekt. Das ist ziemlich leicht zu managen: Ich weiß, was zu tun ist und wann es zu tun ist. Ich hab das auch schon ein paar Mal gemacht und kann ganz gut abschätzen, wie das ablaufen wird. Viel kann mich dabei nicht überraschen, außer vielleicht, es regnet genau dann, wenn ich den Papiermüll wegbringen will, aber auch dafür stehen mir mit Regenjacke oder Regenschirm geeignete Management-Tools zur Verfügung. Ich kann also sagen, dieses Projekt bekomme ich ganz gut hin.

Aber was ist mit dem Projekt „Papa sein“? Das spielt auf einem ganz anderen Level. Das zu managen, stellt mich beinahe täglich vor Herausforderungen. Da gibt es viel zu beachten, da hängt vieles voneinander ab, da hängt auch vieles von anderen Personen in meiner Familie ab, insgesamt ist das ein komplexes Projekt. Und komplexe Projekte sind schwer zu managen, das habe ich in einer eigenen Podcast-Folge ja schon genauer erklärt.

Also, zusammengefasst: Es gibt Projekte, bei denen tun wir uns leicht sie zu managen, und es gibt Projekte, da kommen wir regelmäßig an unsere Grenzen.  

Und was ist jetzt der Meaning Manageability Trade-off?
Vermutlich hast du das Problem schon erkannt. Es ist bei unseren Personal Projects häufig so, dass „meaning“ und „manageability“ umgekehrt proportional zueinander sind. Soll heißen: Ein Projekt mit viel „meaning“ hat wenig „manageability“, und ein Projekt mit viel „manageability“ hat oft wenig „meaning“. Das muss nicht immer so sein, aber es ist nicht ungewöhnlich, dass es diesen Konflikt gibt.

Was jetzt passiert, ist, dass wir in dem Fall einen Trade-off eingehen müssen. Ein Trade-off, das ist so etwas wie ein Kompromiss, eine Abwägung, ein Ausgleich, könnte man sagen. Wir müssen also für jedes Projekt abwägen (und das machen wir meistens ganz unbewusst, automatisch). Wie viel „meaning“ will ich in dem Projekt, und wie viel „,manageability“. Anders formuliert: Wenn ich ein Projekt habe, das für mich viel „meaning“ hat, dann bin ich wahrscheinlich bereit, bei der „manageability“ Abstiche zu machen. Also, wenn ich Papa sein will, dann muss ich auch bereit sein, mich darauf einzulassen, dass dieses Projekt öfter mal nicht so läuft wie geplant, dass Überraschungen auftreten und dass mir häufig nicht ganz klar ist, was der nächste Schritt in dem Projekt sein wird.

Andererseits, wenn ich ein Projekt habe, das für mich nur ganz wenig „meaning“ hat, dann werde ich dafür haben wollen, dass es möglichst leicht zu managen ist. Also, wenn ich schon den Papiermüll wegbringen muss, dann soll das bitte so einfach sein wie nur irgendwie möglich. Ich bin nicht bereit, dafür mehr Zeit, Energie und Nerven zu investieren als unbedingt notwendig. Mein Trade-off ist, dass ich wenig Sinn hinnehme, aber dafür als Ausgleich erwarte, dass das Management dieses Projektes ganz, ganz einfach ist.

Denken wir diesen Meaning Manageabiltiy Trade-off noch einen Schritt weiter. Was ist, wenn dieser Trade-off bei einem Projekt nicht funktioniert? Was passiert dann?

  1. Da wäre erstens mal der Fall, dass wir ein Projekt mit viel „meaning“ haben, das wir aber auch als leicht zu managen empfinden. So ein Projekt wird wahrscheinlich unser Lieblingsprojekt sein. Das machen wir gerne, da kommen wir in den Flow, das macht Spaß. Von diesen Projekten können wir eigentlich gar nicht genug in unserem Leben haben.
  2. Aber was ist im umgekehrten Fall? Ein Projekt, das für uns wenig Sinn hat, aber schwer zu managen ist? Du kannst es dir wahrscheinlich vorstellen, das sind Projekte, die uns Jahre unseres Lebens kosten, die uns gewaltig auf die Nerven gehen. Es hat keinen Sinn, und es ist mühsam? Solche Projekte wollen wir – und sollten wir – so schnell wie möglich los werden.

Okay, das mal dazu, was der Meaning Manageability Trade-off ist und wo er her kommt. Schauen wir uns jetzt noch an, wie wir mit dem Meaning Manageability Trade-off im Alltag umgehen können.

Wie können wir mit dem Meaning Manageabiltiy Trade-off umgehen?

Ich habe da 3 Tipps für euch, die dabei helfen können, unsere Personal Projects gut durch den Meaning Manageability Trade-off zu steuern.

Tipp 1: Akzeptiere den Trade-off
Nimm den Trade-off als Teil des Spiels unserer Personal Projects hin. Man kann ihm nicht entkommen, er gehört einfach dazu. Er ist ganz automatisch da. Wie eines meiner Lieblingssprichwörter sagt: Wer einen Baum hat, der hat auch Laub. Es geht also nicht drum, ihn zu vermeiden, sondern mit ihm zu leben. Also, der erste Schritt aus meiner Sicht zu einem produktiven Umgang mit dem Meaning Manageability Trade-off ist mal, ihn hinzunehmen und nicht gegen Windmühlen zu kämpfen.

Tipp 2: Geh den Trade-off bewusst ein
Ich habe ja schon gesagt, dass wir unbewusst im Alltag ständig mit dem Meaning Manageability Trade-off kämpfen. Mein Tipp wäre jetzt, diesen Trade-off ganz bewusst einzugehen. Wenn du mal wieder ein Projekt hast, bei dem du nicht weiter kommst oder bei dem du dich mehr als nur leicht überfordert fühlst, dann frag dich mal ganz bewusst: WELCHES Problem möchtest du haben? Möchtest du das Problem haben, dass man sehr sinnvolle Projekte oft nur schwer managen kann? Oder möchtest du das Problem haben, dass du Abstriche beim Sinn machen musst, damit das Projekt ein bisschen besser zu managen wird? Also, Welches Problem möchtest du haben?

Tipp 3: Sei gedanklich flexibel
Die Kunst im Personal Project Management ist es, ganz verschiedenartige Personal Projects zu managen – und zwar so, dass der Management-Stil zum jeweiligen Personal Project passt. Das heißt, dass wir gedanklich sehr flexibel sein müssen, wenn wir zwischen verschiedenen Personal Projects hin- und herswitchen. Es gibt eben Projekte mit hoher „manageability“ und welche, die eben ganz, ganz schwer zu managen sind, wenn überhaupt. Da müssen wir auch von unserem Management-Stil entsprechend flexibel sein und uns anpassen. Gleichzeitig bedeutet das auch, für alle notorischen Sinn-Sucher unter uns, dass es eben auch Projekte gibt, die aus unserer Sicht wenig oder gar keinen Sinn haben. Da brauchen wir uns nicht wahnsinnig reinhauen, da schauen wir dann eben, dass wir die mit so wenig Ressourcen-Einsatz wie möglich über die Bühne bekommen. Wir gehen mit dem Meaning Manageability Trade-off also am besten um, wenn wir versuchen, im Kopf, aber auch in unseren Handlungen so flexibel wie möglich zu sein und uns auf die individuellen Gegebenheiten unserer Personal Projects so gut wie möglich einstellen.

Zusammenfassung

Wenn ihr euch eine Sache aus dieser Folge mitnehmen sollt, dann wäre es das:

Der Meaning Manageability Trade-off ist das Phänomen, dass Projekte, die viel Sinn (also „meaning“) für uns haben, oft nicht leicht zu managen sind. Und umgekehrt: Projekte, bei denen wir uns vom Management her leicht tun, empfinden wir oft nicht als wahnsinnig sinnvoll. 

Dieser Meaning Manageability Trade-off ist „part of the game“, der gehört zu unseren Personal Projects einfach dazu. Je bewusster wir mit ihm umgehen, je bewusster wir diese Abwägung zwischen „meaning“ und „manageability“ treffen, desto leichter tun wir uns mit dem Meaning Manageability Trade-off im Alltag.