S08E06: Der Business Breakfast Club (#82)
Staffel 08

 
 
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Worum geht’s in dieser Folge?

Wir sind ja mitten in Staffel 8 des Podcasts, und in dieser 8. Staffel geht es ja um unsere Shared Projects. Deshalb habe ich mir gedacht, wär’s vielleicht eine gute Idee, mal über ein ganz konkretes Shared Project von mir zu reden, sozusagen als Case Study. Dabei geht es mir nicht so sehr um das Shared Project an sich, sondern eher um die Meta-Ebene, also was wir von diesem konkreten Projekt aus Sicht der Personal Projects Theorie sagen und lernen können. Und dieses Projekt, von dem ich hier sprechen will, ist der Business Breakfast Club.

Wie ist das Projekt entstanden?

Um euch zu erklären, worum es beim Business Breakfast Club geht, erzähle ich euch zuerst mal, wie das Projekt überhaupt entstanden ist.

Dieses Shared Project hat sich 2012 entwickelt, also vor rund 8 Jahren. Damals waren Viki und ich gerade mal ein halbes Jahr zusammen, und wir hatten folgendes Problem: Wir waren damals beide beruflich ziemlich eingespannt. Wir verbrachten beide viel Zeit in unseren jeweiligen Jobs, sodass wir kaum wirklich die Zeit hatten, uns darüber zu unterhalten, was es so Neues gibt. Und so ist es immer häufiger passiert, dass einer von uns gesagt hat: „Ach ja, das wollte ich dir erzählen, aber dann, irgendwie…” Dann ist immer irgendwas dazwischen gekommen, oder wir haben vergessen, wichtige Neuigkeiten weiterzusagen oder wir waren schlicht zu müde. Morgen ist ja, bekanntlich, auch noch ein Tag.

Jedenfalls ist es uns damals nicht gelungen, dass wir uns spontan Zeit nehmen, uns gegenseitig upzudaten. Deswegen hatte ich eines Tages eine Idee, wie sie nur von einem strukturierten Management-Typen wie mir kommen kann: Warum legen wir nicht einen fixen Termin fest, wo wir beide ganz konzentriert über alles sprechen, was es in unserer Partnerschaft zu besprechen gibt? Einen fixen Termin einmal pro Woche, wo jeder sagen kann, was ihm oder ihr auf dem Herzen liegt? So, wie wir es ja auch in unseren Jobs machen, in denen wir so viel Zeit verbringen.

Und weil wir beide gerne frühstücken, hatten wir die Idee,  das Angenehme gleich mit dem Nützlichen zu verbinden und diese Besprechung bei einem Frühstück in einem netten Lokal zu halten. So entstand dann auch der Name „Business Breakfast Club”. „Business” deswegen, weil es bei dem Frühstück eben vor allem um die „geschäftlichen”, die administrativen Dinge unserer Partnerschaft geht. Und unter diesem Namen läuft dieses Projekt bei uns jetzt eben schon acht erfolgreiche Jahre lang.

Was ist der Business Breakfast Club genau?

  • Der Business Breakfast Club ist also ein Shared Project von meiner Frau, Viki, und mir.
  • Der Business Breakfast Club sind anderthalb bis zwei Stunden pro Woche, die sich Viki und ich für unsere ganzen Shared Projects Zeit nehmen.
  • Der Business Breakfast Club ist also eine wöchentliche Besprechung zwischen uns, wo wir über unsere Pläne, Projekte, Termine, To Dos … für die kommenden Tage, Wochen und Monate reden.
  • Dazu gehen wir (wann immer möglich) in ein Lokal frühstücken. So verbinden wir das Angenehme mit dem Nützlichen.
  • Für unseren Business Breakfast Club haben wir einen fixen Zeitpunkt in der Woche ein, in der Regel ist das der Samstag. Das ist auch fix in unserem Kalender eingetragen. 
  • Dieser regelmäßige fixe Termin hat einen Riesenvorteil: Wir können uns beide darauf verlassen, dass wir am Samstag über alle „operativen“ Sachen sprechen werden, also über alles, was es in unserer Partnerschaft – und seit ein paar Jahren auch in unserer Familie mit zwei Kindern – zu managen gibt.
  • Dadurch entspannt sich die restliche Woche ungemein. Wir müssen nicht am Abend, wenn wir müde sind, darüber reden, wie wir jetzt mit der Krabbelstube für unsere Tochter tun. Nein, das können wir konzentriert am Samstag machen, wenn wir ausgeschlafen sind und wenn wir uns bewusst für genau diese Fragen Zeit nehmen.
  • Wie gesagt, wir machen das seit fast 8 Jahren und haben schon rund 340 gemeinsame Business Breakfasts gehabt. Für uns ist das inzwischen ein sehr wichtiges Ritual geworden, das wir beide sehr schätzen. Es ist so wichtig, dass wir es auch weitergeführt haben, als die Kinder dazu gekommen sind. Die sind jetzt im Business Breakfast Club einfach dabei – im Moment noch mehr passiv als aktiv, aber das wird sich wahrscheinlich mit den Jahren auch noch ändern, wer ma sehen.
  • Aus der Sicht der Personal Projects Theorie betrachtet, könnte man sagen, dass der Business Breakfast Club ein ganz wichtiges Element in unserem Shared Projects Management ist. Das gemeinsame Frühstück ist sowas wie eine Weekly Review unserer Shared Projects, wo wir Projektfortschritte besprechen und die nächsten Schritte gemeinsam festlegen. Und, was auch ganz wichtig ist: Wir treffen bei diesen Business Breakfasts gemeinsam Entscheidungen, und das in einem strukturierten Rahmen, in dem wir uns beide wohl fühlen. Damit verhindern wir auch, dass Shared Projects, die uns eigentlich sehr wichtig wären, einfach einschlafen und versanden, weil sich niemand drum kümmert.

Wie gesagt, der Business Breakfast Club ist uns beiden sehr wichtig geworden. Wir lassen ihn daher auch nur sehr, sehr ungern ausfallen, und wir machen ihn auch im Urlaub. Wenn es doch mal am Samstag nicht geht, versuchen wir ihn an einem anderen Wochentag unterzubringen. Manchmal haben wir uns auch einfach am Wohnzimmertisch zusammengesetzt, wenn’s nicht anders ging. Man könnte sagen, dass uns dieses Shared Project „heilig“ geworden ist.

Für diejenigen unter euch, die jetzt neugierig geworden sind und wissen wollen, wie so ein Business Breakfast konkret abläuft, für die habe ich noch ein paar Hinweise und Tipps.

Wie läuft ein Business Breakfast konkret ab?

Also, wir frühstücken jeden Samstag miteinander. Dazu gehen wir meistens in ein Lokal. Früher, in der guten alten Zeit, wo wir noch keine Kinder hatten, da haben wir uns den Spaß gemacht, dass wir jede Woche in ein anderes Lokal zum Frühstücken gegangen sind. Jetzt, mit den Kindern, haben wir inzwischen ein Stammlokal gefunden. Unser Stammlokal ist es vor allem deswegen geworden, weil es eine Spiele-Ecke hat, wo die Kinder spielen können, während wir Erwachsenen besprechen.

Um die Themen zu sammeln, die wir beim Business Breakfast besprechen wollen, haben wir folgende Lösung gewählt: Wir haben beide Evernote auf unseren Handys installiert. Evernote, das ist ein Notiz-Programm, von dem ich schon öfter in diesem Podcast erzählt habe und das zu einem ganz wichtigen Grundpfeiler in meinem Personal Project Management geworden ist. In Evernote haben wir ein gemeinsames Notizbuch, in das jeder von uns jederzeit neue Notizen einfügen kann oder auch eine bestehende Notiz updaten. 

Jede einzelne Evernote-Notiz steht für ein Thema, das wir besprechen wollen. Also, wenn ich, sagen wir, gerade in der Arbeit bin und mir fällt etwas ein, das ich gerne mit Viki besprechen will, dann nehme ich mir mein Handy, öffne Evernote und lege in unserem gemeinsamen Notizbuch eine Notiz an, wo ich reinschreibe, was ich besprechen will. Vorausgesetzt natürlich, es kann bis nächsten Samstag warten. Und Viki macht genau das Gleiche.

Der Clou ist jetzt, dass jeder von uns unter der Woche in unserem gemeinsamen Evernote-Notizbuch herumfuhrwerken kann, wie er oder sie will. Jeder von uns kann Notizen hinzufügen und damit neue Themen auf die Agenda setzen. Oder jeder von uns kann bei einer bestehenden Notiz etwas hinzufügen oder rauslöschen. Nur eben besprechen wir das alles nicht sofort, wenn es uns einfällt, sondern gesammelt einmal in der Woche, ganz konzentriert.

Ich kann wirklich sagen, das funktioniert super. Wir haben da jede Woche ca. 40 Notizen zu besprechen. Manche davon erwähnen wir nur kurz, quasi als Reminder. Zum Bespiel, wer diese Woche dran ist, den Film für den Filmabend auszusuchen. Manche Notizen besprechen wir länger, wenn sich in der Woche etwas Neues ergeben hat oder wenn eine wichtige Entscheidung ansteht – z.B. eben für das Projekt „Krabbelstube für die Tochter“. Insgesamt können wir mit anderthalb Stunden rechnen, die wir für so ein Business Breakfast brauchen, bis wir alle unsere Notizen ausreichend besprochen haben.

Die Vorteile eines Business Breakfasts

  1. Wir verbringen auf jeden Fall einmal in der Woche für anderthalb Stunden miteinander als Paar. Das ist an und für sich schon wertvoll.
  2. Wir nützen diese gemeinsame Zeit, aufmerksam miteinander zu reden bzw. einander zuzuhören.
  3. Wir besprechen ganz konzentriert alles, was uns gerade wichtig erscheint. Dadurch erfahren wir zumindest einmal in der Woche, was den Partner gerade besonders beschäftigt.
  4. Wir können gemeinsam Entscheidungen treffen, die sonst im Alltag vielleicht bis um St. Nimmerleinstag verschoben werden würden.
  5. Die Regelmäßigkeit des Business Breakfast Clubs sorgt auch dafür, dass immer ein Platz ist für neue Ideen, neue Shared Projects und dass bestehende Shared Projects regelmäßig frischen Wind bekommen und nicht einschlafen.
  6. Das Business Breakfast tut unserer Beziehung an sich sehr gut. Es entspannt die Beziehung, weil es einfach einen Platz gibt, wo das „Geschäftliche” einer Beziehung bzw. einer Familie besprochen wird. Das gibt uns ein Gefühl von Verlässlichkeit und Sicherheit.
  7. Ich finde, das Business Breakfast macht auch unsere Shared Projects insgesamt erfolgreicher. Wir kriegen einfach mehr weiter, weil wir uns regelmäßig unsere laufenden Projekte ansehen und darüber sprechen.
  8. Wir essen ein gutes Frühstück und müssen hinterher das Geschirr nicht wegräumen. Was wären die großen Dinge ohne die kleinen…

Insgesamt hat der Business Breakfast Club also viele Vorteile für uns, und es würde mich sehr freuen, wenn der eine oder die andere meiner Hörerinnen und Hörer jetzt inspiriert wäre, auch mal so ein Business Breakfast mit deiner Partnerin/deinem Partner zu probieren.

Aber eines ist mir noch wichtig zu sagen: Es geht mir mit diesem Beispiel nicht in erster Linie darum zu sagen: Macht alle einmal in der Woche ein Business Breakfast, und dann ist alles gut in eurer Beziehung. Mir geht es darum zu sagen: Macht euch die Mühe, genau wie Viki und ich, euch ein Shared Project zu suchen, das perfekt zu euch passt – nämlich zu euch als Paar! Der Business Breakfast Club, der ist deswegen für Viki und mich so ein heiliges Ritual geworden, weil er uns einfach gut tut. Er tut uns deswegen gut, weil wir beide sehr strukturierte Menschen sind, denen so eine regelmäßige „geschäftliche” Besprechung einfach sehr hilft. Der Business Breakfast Club passt perfekt zu uns, und deswegen ist er für UNS gut. Für euch mag es ein anderes Shared Project sein, das für euch passt. Wichtig ist nicht, was es ist, sondern dass es solche Projekte gibt, die euch als Paar „heilig“ sind. 

Zusammenfassung

Der Business Breakfast Club ist ein Shared Project von meiner Frau Viki und mir, wo wir einmal pro Woche unsere Shared Projects bei einem gemeinsamen Frühstück besprechen. Nach 340 dieser gemeinsamen Business Breakfasts kann ich sagen, dass das für uns eine super Sache ist, die uns sehr wichtig geworden ist. Und wichtig ist es deshalb für uns, weil der Business Breakfast Club ein Shared Project ist, das perfekt zu uns beiden passt, das uns beiden gut tut und von dem wir beide spüren, dass es nicht nur unser Zusammenleben im Alltag erleichtert, sondern unsere Beziehung insgesamt bereichert.