S09E02: Die Inneren Dämonen kennenlernen (#88)
Staffel 09

 
 
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Worum geht’s in dieser Folge?

In dieser neunten Staffel von [Projekt: Leben] spreche ich ja über eine  besonderen Gruppe von Personal Projects beschäftigen, nämlich über unsere dunklen und düsteren Projekte.

Und in dieser zweiten Episode der neunten Staffel geht es um unsere Inneren Dämonen.


Ja, unsere Inneren Dämonen… Was meine ich damit eigentlich?

Ich glaube, dass jeder von euch, der mir da gerade zuhört, bestimmt ein Gefühl dafür hat, was ich damit meinen könnte. Und gleichzeitig ist es gar nicht so einfach, die Inneren Dämonen klar zu definieren und in generelle Worte zu fassen.

Ich würde daher mal so sagen: Die Inneren Dämonen sind in unseren Personal Projects dann am Werk, wenn wir Dinge tun oder sagen, wo wir uns eigentlich denken: „Nein, so will ich nicht sein. Das will ich eigentlich gar nicht tun, so will ich eigentlich gar nicht reden.“ Und dennoch tun wir es, immer und immer wieder, weil wir nicht aus unserer Haut raus können und weil uns unsere Inneren Dämonen unser Leben lang begleiten.

Deswegen halte ich es für ein ganz wichtiges Personal Project – ein Self Project, wenn man es genau nimmt -, dass wir unsere Inneren Dämonen so gut wie möglich kennenlernen. Wir sollten wissen wollen, mit wem wir es da eigentlich zu tun haben in den Momenten, wo wir nicht gerade stolz auf uns sind. Was sind denn die Situationen, wo wir immer in die Falle tappen? Was sind denn die Auslöser, die Trigger, die unsere schlechtere Hälfte zum Vorschein bringen?

Interessanterweise gibt es viele Geschichten und Romane, wo es immer wieder um die Auseinandersetzung mit den Inneren Dämonen geht. Ein berühmtes Beispiel wäre „Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde” von Robert Louis Stevenson, wo ja der an sich sehr ehrenwerte Dr. Jekyll ein Opfer seines Inneren Dämonen, nämlich Mr. Hyde, wird.

Ein anderes Beispiel wäre die Geschichte vom Phantom der Oper. Die Geschichte finde ich überhaupt ganz besonders spannend in Hinblick auf Personal Projects mit Inneren Dämonen. Vielleicht hast du ja auch das Musical oder eine Verfilmung dazu gesehen – oder gar das Buch gelesen – wenn nicht, hier kurz, worum es geht:

Da ist dieses Mädchen Christine, eine Sängerin in der Oper. Sie ist die Hauptperson. Und dann ist da dieses Phantom der Oper, eine geheimnisvolle Gestalt, die in den Katakomben der Oper haust. Während Christine also auf der Bühne des Opernhauses auftritt, geistert das Phantom quasi auf der Hinterbühne herum. 

Das Interessante bei der Geschichte ist die Beziehung zwischen Christine und dem Phantom. Im Musical ist das sowas wie eine dysfunktionale Liebesbeziehung, aber man kann das auch ganz anders interpretieren: Das Opernhaus, das steht für unser Leben. Christine ist das Symbol für unsere öffentliche Persönlichkeit, für das Bild von uns, das nach außen wirkt und täglich auf der Bühne steht. Und das Phantom steht für Christines dunkle Persönlichkeitsanteile, für das Düstere in ihrem Leben. Christine und das Phantom sind also im Grunde ein und derselbe Mensch, die gehören zusammen. 

Christine sagt ja auch, dass das Phantom ihr Lehrer sei, der sie zu einer so guten Sängerin gemacht hat. Auch das ist symbolisch zu verstehen: Unsere Inneren Dämonen sind es sehr häufig, die uns zu Höchstleistungen antreiben und die auch dafür sorgen, dass wir in Beruf und Karriere Erfolg haben. Unser Antrieb kommt ganz, ganz häufig aus eher dunklen Quellen, aus Kränkungen, aus Verletzungen, aus einem Gefühl des mangelnden Selbstwertes und so weiter. 

Und dann kommt noch was dazu: Das Phantom trägt eine Maske. Eigentlich ist das Gesicht des Phantoms entstellt, es ist hässlich, aber durch die Maske sieht Christine das nicht. So geht es uns auch oft: Wir erkennen unsere Inneren Dämonen oft gar nicht, wenn wir nicht hinter die Maske sehen und deren hässliches Gesicht erkennen. Unsere Inneren Dämonen verstecken sich häufig hinter vermeintlich ehrenwerten Projekten. Das Problem dabei ist halt nur, dass der Antrieb hinter diesen Projekten eben dunkel und düster bleibt, egal, welche Maske wir ihnen aufsetzen.

Die Geschichte endet im Grunde damit, dass das Phantom das Opernhaus in Brand setzt und zerstört. Wiederum symbolisch interpretiert: Wenn wir nicht aufpassen, wenn wir unsere Inneren Dämonen nicht im Zaum halten können, dann können sie unser Leben zerstören. Und dass das keine Übertreibung ist, kann jeder nachvollziehen, der Bekanntschaft gemacht hat mit Inneren Dämonen wie Sucht, Depression oder übersteigertem Ehrgeiz.

Ich glaube, ich verrate kein großes Geheimnis, wenn ich sage, dass die Auseinandersetzung mit unseren Inneren Dämonen eines der herausforderndsten Selbstprojekte unseres ganzen Lebens ist. Denn eines kannst du mir glauben: Jeder von uns hat seine oder ihre Inneren Dämonen – und wenn du glaubst, du hast keine, dann hast du einfach noch nicht gut genug in den Katakomben deines Lebens nachgesehen. Nur weil du deine Inneren Dämonen nicht kennst, heißt das nicht, dass du keine hast.

Wie sollen wir jetzt mit unseren Inneren Dämonen umgehen? Wie können wir ihnen überhaupt einmal auf die Spur kommen?

Ich kann euch sagen, wie ich es gemacht habe. Ich kenne einiger meiner Inneren Dämonen, und ich muss sagen, schön sind sie nicht. Aber ich kenne sie, und damit kann ich auch Schritt für Schritt lernen, besser mit ihnen umzugehen. Für mich hat sehr gut funktioniert, meinen Inneren Dämonen ein menschliches Gesicht zu geben. Sie tatsächlich zu Personen zu machen – genauso, wie es ja auch in den Geschichten von Mr. Hyde und dem Phantom der Oper geschehen ist. Den Inneren Dämonen ein Aussehen zu geben, vielleicht einen Namen, einen Charakter… und versuchen, sie immer besser kennenzulernen, wann immer du ihnen begegnest. Mit der Zeit kommst du vielleicht so wie ich drauf, dass ein so ein Dämon verlässlich immer dann daher kommt, wenn du nicht ausgeschlafen bist. Ein hässlicher, sehr grober Zeitgenosse, der aber relativ gut berechenbar ist, wenn du ihn nur gut genug beobachtet hast. 

In diesem dunklen und düsteren Personal Project „Deine Inneren Dämonen kennenlernen” geht es also darum zu versuchen, die Hinterbühne deines Lebens auszuleuchten und mal genauer hinzusehen, was da so kreucht und fleucht. Kann gut sein, dass das nicht alles angenehm ist, was du da zu sehen bekommst. Dann geht es darum, dich mit deinen Inneren Dämonen irgendwie zu arrangieren – quasi, mit ihnen zu tanzen. Zu versuchen, mit ihnen weitestgehend auszukommen, denn los werden tut man sie nur ganz, ganz schwer. Ziel dieses Personal Projects wäre zu versuchen, deine Inneren Dämonen so gut zu kennen und sie zumindest so weit im Zaum zu halten, dass sie dir das Opernhaus deines Lebens nicht in Brand setzen – wenn nötig mit Coaches, Beratern oder Therapeuten, die dich in einem solchen herausfordernden Projekt begleiten und unterstützen können. 

Also: Nimm deinen Mut zusammen, gib deinen Inneren Dämonen ein Gesicht, schau ihnen in die Augen und reiß ihnen die Maske runter – auch wenn’s weh tut.

Für dieses überaus schwierige, dunkle und düstere Personal Project wünsche ich dir von Herzen viel Erfolg!