S09E07: Hilflosigkeit (#93)
Staffel 09

 
 
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Worum geht’s in dieser Folge?

In unserer Staffel über dunkle und düstere Projekte geht es diesmal um Personal Projects, bei denen wir uns machtlos fühlen, fast wie ohnmächtig. Ohne die Macht, etwas zu verändern, zum Zuschauen gezwungen.

Wie kommt es zu dieser Hilflosigkeit? Darum soll es in dieser Folge gehen.

Wenn wir uns als Personal Project Manager sehen, also die Manager unserer Personal Projects, dann fühlen uns mitunter in zweifacher Hinsicht hilflos:

1. Hilflosigkeit in der „manageability“

  • Manageability: Traue ich mir zu, ein Personal Project zum Erfolg zu bringen?
  • Manche Personal Project sind einfach überwältigend, weil wir sie für nicht managebar halten. Wir haben keine Ahnung, wie wir das schaffen sollen. Wir wissen oft gar nicht, wo wir überhaupt anfangen sollen, so überwältigend sind diese Projekte. Wir fragen uns: Wie soll ich das nur schaffen?
  • Wichtig ist hier der Unterschied zwischen „herausgefordert sein“ und Hilflosigkeit: Hilflosigkeit entsteht, wenn wir nicht nur ein bisschen aus unserer Komfortzone herausgeholt werden, sondern wenn wir so überfordert sind, dass wir in eine Art Schockstarre verfallen, wo wir resignieren, weil das Projekt so überwältigend anspruchsvoll auf uns wirkt. 
  • Was können wir in diesem Fall gegen unsere empfundene Hilflosigkeit tun? Kurz gesagt: Wir müssen das Gefühl der Überforderung reduzieren. Und das lässt sich z.B. durch folgende Maßnahmen erreichen:
    1. Sich helfen lassen (von Menschen, die mehr manageability haben = Menschen, die sich mit solchen Projekten auskennen = „Experten“, „Profis“)
    2. Lernen, Kompetenzen erweitern; versuchen, selbst ein bisschen zum Profi zu werden. 
    3. Projekt in kleinere Einheiten zerlegen, die für sich leichter zu managen sind. 
  • Wachsen mit den Aufgaben = lohnenswerte Herangehensweise für Personal Project Manager.
    • Aber: Bei Überforderung rechtzeitig Hilfe holen. Auch wir Personal Project Manager brauchen nicht alles allein lösen.

2. Hilflosigkeit in der „control“

  • Ganz andere Form der Hilflosigkeit. 
  • Diese Hilflosigkeit drückt sich so aus: Egal, was du machst, es bringt nichts. Es hat keinen vorhersehbaren Einfluss auf das Ergebnis. Und wenn du dich auf den Kopf stellst und im Quadrat springst… es nützt nichts. 
  • Bei einem Projekt, wo du ganz wenig control hast, bist du sehr stark abhängig von anderen Menschen, von den Umständen, vom Schicksal, vom Glück oder was auch immer. Jedenfalls hast DU kaum Einfluss auf die Projektergebnisse und empfindest eine Art Willkür. 
  • Es ist wie bei der Geschichte von Sisyphos: Du rollst den Stein rauf, aber dann kommt irgendwas daher und lässt den Stein wieder runter rollen. Die Götter wollen es so, du bist dagegen machtlos.
  • Beispiel: Geliebter Mensch ist krank. Egal, was du tust, die Gesundheit oder Genesung dieses Menschen liegt nicht in deinen Händen, ist nicht in deiner control. Du kannst natürlich ein bisschen was dazu beitragen, dass es dem Kranken unter den Umständen ein bisschen besser geht, aber was seine Gesundheit betrifft, kannst du nur zuschauen und hoffen und beten. Du selbst kannst da nichts ausrichten. 
  • Dieses „hilflos zusehen müssen“ ist gerade für Personal Project Manager nur sehr, sehr schwer zu ertragen. Projekte, in denen wir wenig control empfinden, das können ganz, ganz dunkle Projekte in unserem Leben sein. 

Erlernte Hilflosigkeit

  • Inwieweit wir nämlich das Gefühl haben, dass wir in einem bestimmten Personal Project etwas ausrichten können oder nicht, das haben wir gelernt. Ja, wir haben gelernt, in welchen Situationen wir uns hilflos fühlen und wann nicht.
  • Die Idee der erlernten Hilflosigkeit kommt von Martin Seligman, der daran in den 1960er-Jahren geforscht hat.
  • Wenn wir sagen: „Da kann man halt nichts machen“… Wann das für uns gilt, haben wir als Kinder gelernt –  von unseren Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen. Wir übernehmen sozusagen die Hilflosigkeiten und die Ohnmacht unserer Eltern als unsere eigene.
  • Das Problem dabei ist natürlich: Wenn wir erwachsen werden, hinterfragen wir diese erlernte Hilflosigkeit nicht mehr. Wir glauben weiterhin das, was wir einmal erlernt haben. Und wir glauben das wirklich, das ist keine Ausrede und kein Vorwand. 
  • Es hilft also, bei einem Gefühl der Ohnmacht und der Hilflosigkeit bewusst innezuhalten und zu hinterfragen: Stimmt es tatsächlich noch, stimmt es überhaupt, dass ich da gar nichts tun kann? Bin ich wirklich zur Untätigkeit gezwungen? Gibt es wirklich nichts, das ich ausrichten kann?
  • Es gibt genug Projekte, in denen wir wirklich nichts ausrichten können. Aber mitunter kommt es auch vor, dass es zwar gestimmt hat, dass wir als Kind nichts ausrichten konnten, aber die Zeit unserer Kindheit ist längst vorbei. Heute sind wir Erwachsene, heute leben wir im Jahr 2020, und da können wir uns fragen: Stimmt es immer noch, dass ich in diesem Projekt, in dieser Situation hilflos bin?
  • Wie gesagt: Es gibt genug Situationen, in denen wir beim besten Willen nichts ausrichten können, aber manchmal sitzen wir bei einem genaueren Blick einer erlernten Hilflosigkeit auf, von der wir uns gerne verabschieden können. Und darauf sollten wir Personal Project Manager immer einen Blick haben.